Havanna, Cuba – Mein erster Layover

Der Flug WK 32 war auf den Mittag geplant. Wir trafen uns alle im Breafing Raum im OPC, wie immer. Natürlich ist die Langstreckencrew um einiges grösser als die Kurzstreckencrew. Inkl. Flight Deck sind wir 11 Crew Mitglieder.

Der Flug verlief nicht ganz gewöhnlich, wie mir auch Kathrin, meine Einführungs Flight Attendant später versicherte. Ich war auf der Position 2 R eingeteilt. An dieser Position ist man Mid Galley Chef und koordiniert die Eco-Max und kommuniziert mit dem Chef der Eco, Position 4 R.

Kaum sind wir gestartet und wir die Trolleys für den Service vorbereiteten, kippt ein Trolley und triffte einen Passagier am Bein. Fies, aber zum guten Glück ist das nicht mir passiert, so was während der Einführung wäre doppeltes Pech. Glück im Unglück hatten wir einen Rettungssanitäter und Polizist an Bord, der auf dem Flug war um einen Kubaner aus zu schaffen. Dieser kam somit gleich zum Einsatz und konnte sein können unter Beweis stellen.

Der Passagier, welcher mit seiner Frau reiste war absolut kulant, obwohl er humpelnd in seine Ferien startete. Das Eis für die Softdrinks kam somit als Kühlmittel zum Einsatz.

Wir benötigten ein zwei Stunden um uns vom Schock zu erholen. Der Service verlief darum etwas langsamer, da unsere Gedanken mehr wirr als grad waren.

Angekommen trafen wir uns noch im Hotelkeller für einen Drink, Caipirinha. Salat im Glas, wie wir es nannten. Wenigstens sieht es gesund aus.

Am ersten Tag in Havanna traf sich die Crew am Frühstücksbuffet. Das Erlebnis fing gleich schon da an. Milch sucht man vergebens, Milchpulver versetzt einem in nostalgische Zeiten, welche ich nur vom hören sagen kenne. Der Kaffee mit Milch schmeckt auch dementsprechend komisch. Hero Honig und frisch aufgeschnitten Papaya waren eine Freude.

Wir nahmen um ca. 11h den Shuttlebus in Richtung „Habana Vieja“. Die Fahrt vom Hotel Melia Habana in die Stadt dauerte ca. 20 Minuten.

Ich mag solche Busfahrten sehr, denn man kann sich gemütlich einen ersten Eindruck verschaffen.

Fast die ganze Crew war noch versammelt. Wir schlenderten durch die Gassen und gingen etwas später zum Craft & Souvenir Market der sich am Hafen von Havanna befindet. Es gab einiges zu sehen,  wie aus Soft Drinks Dosen gefertigte Objekte und schön gemalte Bilder.

Fürs Mittagessen setzen wir uns in die grosse Brauerei welche sich gleich ums Eck befand.

Etwas lustiges, aber auch etwas merkwürdig und unheimliches kam uns dort zu Tage. Die Fleisch Spiesse assen wir mit Airline Besteck, von Edelweiss Air, von Canada Air und Ibera. Hier der Fotobeweis.

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Das muss man gesehen haben!

Es ist bekannt, dass die Kubaner das halbe Flugzeug leerräumen wenn die Crew kein Auge darauf hat. Ich denke, die Menschen auf der Insel, kennen das einfach nicht anders, als tun was man tun muss, alles mitnehmen was geht.

Am Nachmittag, teilte der Regen die Gruppe in zwei. Wir blieben zu viert zurück und so liefen wir zusammen noch ein bisschen durch das alte Havanna. Am Abend gingen wir ins Restaurant „Habana 61“ zum Abendessen. Das Restaurant war eine Empfehlung und es hat sich auch gelohnt dieser zu folgen. Ich bestellte zum Hauptgang das Nationalgericht „Ropa Vieja“, gehacktes Rindfleisch mit Reis, geschmacklich ähnlich einem Gulasch. Sehr schmackhaft.

Am Tag drauf, am Samstag, planten die Jungs eine Zugfahrt. Der Concierge im Hotel lachte uns, bei der Frage nach einem Zugplan und genaueren Information dazu, aus. Es sei ein grosses Abenteuer. Er konnte sich vor lachen kaum mehr einkriegen.

Wir bestiegen, diesmal im strömenden Regen, den Shuttlebus wieder in Richtung Altstadt. Dort verbrachten wir ca. eine Stunde in einem einfach Café, welches sich in einem grossen Kolonialhaus befand. Die Balken und Geländer waren blau gestrichen und überall befanden sich kleine Shops und einen grossen Zigarrenladen. Drei Kubanerinnen machten Musik. Es regnete wie aus Kübeln, die Stimmung blieb jedoch gut und wir hielten an unserem Ziel fest, diesen Zug zu finden.

Als der Regen nachliess fuhren wir mit dem Taxi in Richtung Hafen.

Wir bestiegen am Hafen das alte Schiff, welches uns zum anderen Ufer, nach Casablanca brachte. Schiff ist fast etwas übertrieben, es war mehr eine Plattform mit Dach. Und es gab nur Stehplätze.

Vor Ort fanden wir gleich die Zug Station Casablanca. Die Gleise waren voller Schutt und zur hälfte unter Wasser. Ich dachte mir: “Wenn hier ein Zug fährt, dann traue ich meinen Augen nicht.“

Im kleine Lebensmittelgeschäft kauften wir ein paar Snacks, Schokolade und eine Flasche Rum. Mehr gab es sowieso nicht im Angebot. Wir warteten eine Weile, dann erkundigten wir uns bei der Station und die Frau erklärte uns, dass in Moment kein Zug fahre. Evtl. am Abend wieder.

Ich war doch etwas beruhigt, denn ich stellte mir schon vor, wie der Zug beim einfahren in den Bahnhof entgleisen würde. Aber eben, der Concierge hatte uns versichert, dass es ein Abenteuer sei. Und dazu muss man sagen, in Cuba ist schon einiges passiert, was man wohl nicht gedacht hätte.

Wir liefen also etwas in der Gegend umher und hoch bis zur Aussichtsplattform, zum „El Cristo de La Habana“, die Plattform schenkte uns einen schönen Ausblick auf die „Skyline“ von Havanna. Danach schnappten wir uns ein Taxi wieder in Richtung Stadt.

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Die Fahrt führte durch den unter Wasser Tunnel mit Name „Tunel de La Habana“. Einmal mehr konnte ich mein Italienisch einsetzen und mich mit dem Fahrer etwas unterhalten. Er erzählte, dass er früher einmal in Milano gearbeitet hatte. Er war ganz freundlich und hatte schöne blaue Augen! Ich habe ihm dann meine Kekse geschenkt.

Wieder in der Stadt angekommen, entschieden wir uns für die Busfahrt mit dem roten „Hop On Hop“ Bus, der uns einen kleinen Eindruck der Stadt ermittelte. Die Fahrt startete beim „Parque Central“. Diese war aber nicht besonders spektakulär. Zu Fuss sieht man mehr. Die 2 stündige Fahrt kostete CHF 15. Wohl der bedeutendste Platz an dem wir vorbeifuhren war die „Plaza de la Revolución“. Auf dem Platz fanden und finden heute immer noch viele nationale Kundgebungen statt. Besonders viele Reden hat natürlich Fidel Castro hier gehalten. Rund um den Platz befinden sich viele Gebäude der Regierung. Ein Schreckmoment erlebten wir als wir am Strassenrand einen verunfallten roten Bus sahen, nicht besonders beruhigend.

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Später gingen wir im Iberostart Hotel auf die Rooftop Bar, eine Drink geniessen und die Aussicht bestaunen. Und realisierten gleich einmal mehr wie nah beieinander Arm und Reich ist. Eine Strasse weiter sah es so aus…

Am Nachmittag schlenderten wir durch die Strassen, machten Fotos und schauten die verschiedensten Fassaden der alten Häuser an.

In Havanna leben ca. 2 Mio Menschen.

Die historische Altstadt „La Habana Vieja“ zählt seit 1982 zum UNESCO Weltkulturerbe. Viele Häuser sind seit der Gründung von Havanna 1519 zerfallen, werden aber seit 1994 für den internationalen Tourismus restauriert und das sieht man auch.

Die Bauten sind eindrucksvoll, viele sind kaputt, bei anderen blättert die Farbe ab, doch der Charme dieser Stadt ist immer noch unglaublich und zieht einem in den Bann. Überall wird Musik gespielt, Kunst verkauft und die Menschen sind fröhlich und offen.

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Als es regnete und wir unter den mächtigen Arkaden auf Nachlass warteten, beobachteten wir die Häuser, vieler dieser einst prachtvollen Bauten haben keine Dächer mehr und das Wasser sammelt sich im Innenhof und überall. Teilweise habe die Bewohner Hütten in den Mauern der verfallenen Häuser errichtet. Echte Lebenskünstler!

Vor einem Geschäft standen ca. 20 Menschen an, um ein paar Minuten Internet Zugang zu ergattern. Auch im Hotel lässt man lieber nicht seinen Internet Code herumliegen, wenn man später gerne wieder Internet haben möchte. Die Angestellten bedienen sich gerne. Würde ich wohl auch so machen.

Das Kapitol ist auch ein eindrucksvolles Gebäude, welches stark an das Kapitol der USA in Washington D.C. erinnert.

Am „Parque Central“ kann man sehr viele gut erhaltene und renovierte Oldtimer finden. Sehr empfehlenswert ist eine Rundfahrt, welche man am besten direkt vom Hotel aus bucht, da die Preise vor Ort ziemlich teuer sein können. Diese Autos sind so typisch für Cuba und sind vom Stadtbild nicht mehr wegzudenken.

Am letzten vollen Tag unseres Layovers, gingen wir zu viert, die vier Jungs und ich nach Viñales. Viñales befindet sich ca. 2 Autostunden westlich von Havanna entfernt. Seit der Öffnung Cubas für den Tourismus hat sich Viñales zum meistbesuchten Ort der Provinz entwickelt.

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Unser Fahrer Luis,

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hielt nach ca. einer Stunde Autofahrt bei einem schönen Restaurant an. Wir bestellten einen Fruchtdrink mit Ananas, Kokosnuss und Honig. Sommerfeeling pur.

Sein Tempo betrug geradeaus auf der dreispurigen Autobahn immer mal wieder 140 km/h. Ausserdem war das Bild auf der Autobahn ziemlich befremdlich, den Kutschen gehören in Cuba immer noch zum ganz normalen Transportmittel.

Kurz darauf besuchten wir die Höhle „Cueva del Indio“. In dieser Höhle bestiegen wir ein kleines Schiff und durften eine Rundfahrt machen. Ihr kennt die Stimmung in solchen Höhlen, es bleibt immer irgendwie faszinierend was die Natur uns bietet.

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Das Mittagessen fand in einem speziellen Restaurant, hoch auf einem Hügel statt. Nach einer Stunde Wartezeit wurden wir von Luis zu Tisch gebeten, es wurden Teller um Teller gebracht. Die verschiedensten Gerichte wurden uns serviert und natürlich gleich eine Flasche Rum auf den Tisch gestellt. Es gab alles, von Fisch, Spanferkel, Karotten, Poulet, Kürbis, Okra, Reis etc. und zum Abschluss einen Espresso in einer hübschen Holztasse und einen Flan. Wir bezahlten CHF 15. In der Landeswährung der Touristen (Pesos Convertibles, CUC 15).

Das Haus war ganz süss, aus Holz mit blauen Türrahmen und sehr gepflegt.

Am Nachmittag brachte uns Luis endlich in die Tabakfabrik. Der Familienbetrieb von Familie Benito.

Der Sohn von Familie Benito erzählte uns einiges über den Tabakanbau, die Ernte, und zeigte uns das grosse Haus in dem die Blätter getrocknet werden. Er demonstrierte uns gleich ganz routiniert wie eine Zigarre gedreht wird. Diese konnten wir auch direkt rauchen. Meine erste überhaupt! Also, nur ein paar Züge reichten mir fürs Erste. Er erklärte uns, dass man eine qualitativ gute Zigarre an der gleichmässigen Asche und am weichen Stamm erkennen kann.

Im kleinen Laden nebenan kauften wir dann ein paar Zigarren. Sie offerierten uns Kaffee und Rum und es war so als hätten wir unsere Nachbarn besucht, so gastfreundlich und lustig waren die drauf. Ein Ort, an dem man gern mal wieder zurück kommt und sogar eine Kleinigkeit aus der Schweiz mitbringt. Und übrigens, über die Schweizer Fussballspieler waren sie ziemlich gut informiert. Sehr sympathisch.

Die private Tagestour mit Fahrer und Guide kostete CHF 50.

Diesen letzten Abend besuchten wir das Restaurant La Fontana, 5 Minuten vom Hotel entfernt. Ein italienisches Restaurant mit schöner Atmosphäre.

Am Abreisetag, am Montag, war schlafen angesagt, da ich mich nicht zu 100% fit fühlte und der Inbound Flug nach Zürich ein Nachtflug war. Mit meiner Einführerin Kathrin besprach ich, nach dem Frühstück, den Flug und meine Arbeitsposition, diesmal 4 R.

Diese Position befindet sich ganz hinten im Flugzeug und ist zuständig für die Organisation und Koordination vom Aft Galley.

Bei der Abreise am Flughafen. ertappten wir einen Herren, der einfach seelenruhig eine Taschen von uns zu klauen versuchte. Zum Glück realisierten wir es gleich und konnte ihm die Tasche wieder aus den Händen entnehmen. Was für ein Schreckmoment! Darin befand sich die komplette Fotoausrüstung eines Arbeitskollegen.

Der Rückflug WK 33 verlief besser. Ich fand mich etwas besser zurecht und konnte in der Pause das ganze Galley nochmals in Ruhe ansehen. Immer wieder musste ich mit dem Mid Galley kommunizieren, teilweise kam ich mir vor wie eine Sekretärin. Die Passagiere kamen aus aller Welt, viele sprachen nur Spanisch, aber auch einige Schweizer waren mit dabei.

Im OPC angekommen, war es dann 11h30 am Morgen. Ich freute mich wieder daheim zu sein.

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Ich könnte noch mehr über Cuba erzählen, doch ich hoffe Ihr konntet einen kleinen Eindruck von diesem faszinierenden Land und seinen Menschen erhalten. Ich empfehle Euch natürlich, gleich selbst in die Zeit zurückzureisen und diese lebendige Kultur zu erleben.

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Quelle: https://welt.reisen/amerika/havanna-erlebe-die-geschichte-kubas/
Bilder: Geraldine, Canon EOS M10, 15 – 45mm, Iphone 6 Plus // Sämi, http://www.samuelroniger.com/

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